Google erwirbt AnzeigenSpezialist?

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Die Verwandlung – Realität trifft Traum und gewinnt

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unru­hi­gen Träumen erwach­te, fand er sich in sei­nem Bett zu einem unge­heue­ren Ungeziefer ver­wan­delt. […]

Als Leser erwar­tet man nach die­sem gro­ßen Auftakt, dass Gregor Samsa von gro­ßem Erschrecken geplagt wird. Doch wäh­rend ihn „die Verwandlung“ zunächst nicht wei­ter zu irri­tie­ren scheint, sorgt sich Kafkas Protagonist dar­um, dass er zum ers­ten Mal in sei­nem Berufsleben ver­schla­fen hat. Er sin­niert dar­über, was ihn erwar­tet, wie der „Geschäftsdiener“, „eine Kreatur des Chefs, ohne Rückgrat und Verstand“ ver­geb­lich am Fünfuhrzug auf ihn gewar­tet haben muss­te. Sollte er sich krank­mel­den?*

Ein wenig wie Gregor Samsa fühl­te ich mich, als ich unlängst wie gewohnt in der Frühe mei­nen Mac ein­schal­te­te, die Suchmaschine für eine schnel­le inter­ne Recherche ver­wen­de­te und plötz­lich auf eine Headline stieß, die mich mei­ne Augen weit auf­rei­ßen ließ:

Google erwirbt Anzeigenspezialist“,
prangte es in großen Lettern vor meinen Augen.

Google erwirbt Anzeigenspezialist
Hatte ich etwas ver­passt? Hatte ich irgend­wel­che e-Mails nicht geöff­net oder waren mir die Verhandlungen ent­gan­gen? Hatten mei­ne Mitarbeiter hin­ter mei­nem Rücken eine feind­li­che Übernahme geplant? Wie konn­te ich das schreck­li­che Ereignis noch abwen­den?

Doch je län­ger ich dar­über nach­dach­te, des­to mehr gefiel mir der Gedanke. Was, wenn ich wirk­lich für ein Unternehmen tätig wür­de, des­sen Gründern ich gro­ße Bewunderung zol­le? Was, wenn man bei Google auf mei­ne Expertise als Anzeigenspezialist zurück­grei­fen woll­te, um das Printgeschäft die­ses Mal erfolg­reich anzu­ge­hen? Schließlich hat man sich auch bei Amazon auf den Weg in die Printwelt gemacht und 2013 für 250 Millionen Dollar die Washington Post gekauft. Warum soll­te also aus­ge­rech­net Google, das für sei­ne aus­ge­dehn­ten Shoppingtouren bekannt ist, dar­auf ver­zich­ten?

In Gedanken packte ich bereits meine Koffer.

Was wür­de ich für die ers­ten Verhandlungen in Kalifornien benö­ti­gen? Welche Position soll­te ich bei Google ein­neh­men – nur die Verantwortung für den Printbereich oder auch die Gestaltung von Onlinebannern und AdWords-Anzeigen? Und wel­che Gehaltsvorstellungen hat­te ich? Ein Blick auf den Terminkalender brach­te dann ein ers­tes Zögern in mei­ne Handlungen. Was soll­te ich mei­nen Kunden sagen, wenn ich so mir nichts, dir nichts die Zelte abbrach?

Und über­haupt, mei­ne Kunden, mei­ne Arbeit, mein Sohn, mei­ne Freunde – soll­te ich alle und alles ein­fach zurück­las­sen, um dem gigan­ti­schen Auftrag zu fol­gen? Würde ich wei­ter­hin ein frei­er Kreativer sein oder „eine Kreatur des Chefs“?

Klar, der Gedanke, dass ein Unternehmensgigant wie Google mich „einkauft“, hat was.

Was für eine Bestätigung! Was für eine Aufgabe! Nur ande­rer­seits: Ich weiß, was ich kann, ich weiß, wer ich bin: Freiberufler mit Leib und Seele und das seit über zwei Jahrzehnten. Mit einem gro­ßen Kundenstamm und immer noch aus­rei­chend Ideen und Flausen im Kopf. Warum also aus dem eige­nen Universum aus­stei­gen, um ein klei­ner Punkt in einer frem­den Milchstraße zu wer­den?

Der Schreck wich dem Traum, der Traum muss­te sich an der Realität mes­sen las­sen. Und zu mei­ner gro­ßen Freude konn­te ich fest­stel­len: Meine Realität war dem Traum deut­lich über­le­gen. Ich bin wich­tig und rich­tig, genau hier, an die­sem Ort, für mei­ne Kunden eben­so wie für mei­ne Freunde und Familie. Ich muss­te mich nicht ver­wan­deln, um mich mit Bedeutung auf­zu­blä­hen.

Den Schriftsteller erkennt man dar­an, dass er im Moment, da er etwas erlebt, bereits dar­über nach­denkt, wie er es zu Papier brin­gen kann“, – sag­te mir eine Freundin ein­mal. Den Anzeigenspezialisten erkennt man dar­an, dass er in dem Moment, in dem er eine bana­le Anzeige erblickt, bereits dar­über sin­niert, wie er der grau­en Maus ein strah­len­des Outfit ver­passt, füge ich hin­zu.

Denn mein Fazit ist klar: Wenn es Ihnen gelingt, mit einer Anzeige die Fantasie des Betrachters zu wecken, haben Sie schon gewon­nen. Kommt das Gefühl hin­zu, etwas gefun­den zu haben, wonach er schon lan­ge such­te, was er sich wünscht, was sein Leben rei­cher macht, wird aus einem Interessenten ein begeis­ter­ter Kunde – und zwar lan­ge, bevor er Ihr Produkt über­haupt in Händen hielt.

Joachim Ciliox, hat sich seit 1991 auf die Gestaltung von Kleinanzeigen, Mittelformat- anzei­gen und Stellenanzeigen spe­zia­li­siert.

Auf sei­nen Webseiten AnzeigenSpezialist.de und StellenanzeigenSpezialist.de fin­det man eine umfang­rei­che Sammlung an Fachartikeln, Beispielanzeigen und Tipps- und Tricks für die Gestaltung von erfolg­rei­chen Kleinanzeigen, Anzeigen im Mittelformat und Stellenanzeigen.

Joachim Ciliox ist in Frankfurt und Berlin auf­ge­wach­sen, lebt und arbei­tet seit vie­le Jahren im Bayerischen Wald. Mehr über Joachim Ciliox erfah­ren.